Elmar Kühn | Drucken13.09.2017 

Alles mit dem Mund

Dub FX – der Gott der Stimme

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Heute mit eigenem Musiklabel unterwegs: Dub FX (Foto: Dub FX)

Werk II, 20:30 Uhr. Auf dem linken Teil der Bühne ein Tisch mit Pioneer- Geräten und einem Apple-Laptop. Rechts davon nur ein Bruchteil dieser Ausstattung; eine Loop-Station mit zwei weiteren Geräten und einem Fußpedal-Effekter. Links tritt unscheinbar DJ Derrick auf und fängt an, mit seiner Musik das Publikum zu bewegen.

Anfänglich mit in DnB verpackte Reggae-Musik (Jungle) wird die Musik zunehmend schneller und intensiver, vielleicht hängt dies auch mit dem Publikum zusammen, welches sich nach und nach lockert und tanzt. Man könnte die Musik eher als Bass and Drum bezeichnen, weil der Bass sich bis zum Kehlkopf ausbreitet und den ganzen Körper vibrieren lässt. Persönlich ein bisschen zu viel Bass, als Höhen. In den Gesichtern geteilte Mienen, einerseits die von der Musik ergriffenen Tänzern und anderseits die Wartenden auf den Hauptakt, auf den Menschen, der nicht nur die Regler von mehreren Geräten drehen kann, sondern eben auch den Sound selbst macht, seine Stimme benutzt und keine vorgefertigten Beats, Pattern gebraucht.

Nach eineinhalb Stunden guten Dubsteps, Jungle und DnB ist es nun endlich soweit und nach mehreren Technikchecks kann es losgehen. Die Menge ist aufgeheizt, nicht nur allein von DJ Derrick, sondern auch, weil man vergeblich nach frischer, kühler Luft atmet. Dub FX kommt auf die Bühne, unterstützt durch Jubelrufe aus dem Publikum und fängt nach einer kurzen Begrüßung sofort an, in seine Loop Station zu beatboxen. Sein Rezept: Fetter Beat, Gesang, Bass, Effekte, Delay und Text.

Von Anfang an begeistert Dub FX mit seinem Sound und seiner Bühnenpräsenz. Seine Bodenständigkeit wird deutlich, nachdem er beim zweiten Song abbricht, sich entschuldigt, weil er mit seiner Harmonie nicht zufrieden ist. Weiter geht es mit ein paar klassischen Songs, bis er dann übergeht zu seinen Reggae-Songs und etwas ruhiger wird. Hier benutzt er auch ein Gerät, um gelegentlich einen E-Piano- oder Trompeten-Sound herauszuzaubern. Jeder Song ist so vielfältig gestrickt!

Besonders ist auch, wie Dub FX mit seiner Stimme umgeht. Natürlich ist der Gesang ein wichtiger Bestandteil, dennoch zeigt er ebenso HipHop-Skills und variiert mit Effekten ebenso in der Tonhöhe seiner Stimme. Obwohl er auch ohne Effekte eine großes Stimmspektrum nach oben besitzt. Aber durch die Tonhöhenveränderung vor allem beim HipHop bringt er neue Farbe in den Sprechgesang.

Im letzten Drittel der Show beginnt Dub FX, in die Welt der schnellen Drums einzutauchen, indem er sich auch Hilfe von einem Drum-Computer holt. Das Besondere an seiner Auslegung des Drum and Bass’ (DnB) bzw. Dubstep sind seine Texte, die Dub FX über die Musik legt, was bei dieser Musikrichtung eher unüblich ist. Außerdem agiert er hier mehr wie ein DJ: Song an Song verbindet er durch einen Übergang, ohne eine Pause zu machen. Das Publikum ist mittlerweile am Dancen. Die Energie, die der Künstler mit seiner Musik überträgt, schlägt ein.

Zwischendurch hält er noch eine Ansprache, in der er demütig dafür dankt, dass er das Glück hat, seine Musik zu spielen und besinnt sich zurück zum Ursprung der Musik – der Raggae in Jamaika und Afrika. Außerdem macht er deutlich, dass es bei Musik darum geht, sich auszudrücken und etwas zu meinen, eine Message zu besitzen.

Nach einem kurzen Blick ins Publikum fällt wieder auf, was für ein Strahlen herrscht und wie die Leute zu der Musik tanzen. Zehn Minuten ertönt jubelnder Applaus und DuFX tritt zur Zugabe wieder auf und spielt weitere Songs. Nachdem er endgültig fertig ist, kommt er direkt zum Publikum und gibt den Leuten die Hand, macht Selfies oder tauscht kurze Worte aus – macht einen guten Eindruck. Neben mir steht ein Mädchen, dass seinen Bauchnabel anfassen will: Die Masse an „Groupies“ ist groß.

Der 34-jährige Australier Benjamin Stanford, der damals auf der Straße mit Live-Looping seine Karriere begann, machte nur mit Videos auf YouTube auf sich aufmerksam und später erst vertreibt er mit einem eigenen Musiklabel seine Musik. Im Netz ist er längst eine Legende und reiht sich ein in die Looper der heutigen Generation. Seine Texte handeln von seiner Musik, vom Zeitgeist und teils auch kritische Blicke auf die Welt. Leider sind die Texte manchmal akustisch nicht 100-prozentig zu verstehen, da der Sound zu verschwommen ist. Dub FX ist ein Ausnahmekünstler mit einem breiten musikalischen Spektrum, der das Publikum mitreißen kann ist mindestens einen Besuch wert! Ein einziger Mensch, der mithilfe von zwei bis vier Geräten und seiner einzigartigen Stimme großartige Musik hervorbringt – einfach der Wahnsinn.

Dub FX support by Derrick (Ulan Bator, 3-Takter)

Werk II Leipzig

31.8.2017

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