Svenja Kollenda | Drucken17.04.2019 

Halleluja!

Nach dem Release ihrer Alben "Mea Culpa" und "Vernissage My Heart" begeistert die Band Bilderbuch ihr Publikum im Haus Auensee

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Bilderbuch-Konzert im Haus Auensee (Foto: Svenja Kollenda)

Donnerstagabend, der 11. April. Winterliche Temperaturen breiten sich über Leipzig aus. Mit dem Rad führt die eisige Strecke aus dem Westen der Stadt entlang am Wasser, bis man in weiter Ferne den kleinen Auensee erblickt. Durch die Bäume leuchtet der Veranstaltungsort des Abends auf: das Haus Auensee. Als bekannte Konzertlocation in Leipzig bietet das Haus rund 3.600 Musikbegeisterten Platz zum Lauschen, Tanzen und Feiern.

Drinnen angekommen schallen urbane Beats von der Bühne – die Vorband, bestehend aus zwei Djanes, spielt einen Mix aus aktuellen Songs und Klassikern der Hip Hop- , Grime- und Baile-Funk-Szene. Das Publikum, eine Mischung aus Jung und Alt, scheint gut gelaunt, jedoch wenig begeistert von dem Musikmix zu sein. Am lautesten jubeln und feiern die jungen Frauen auf der Bühne – das Publikum gibt sich recht unbeeindruckt.

Nach und nach trudeln die restlichen Zuschauer von draußen in die Halle ein, ausverkauft ist das Konzert an dem Abend nicht. Grund dafür könnten die hohen Ticketpreise sein, für den besonders die junge Zielgruppe tief in die Tasche greifen musste. Für die anwesenden Besucher ist der dadurch gewonnene Freiraum allerdings von Vorteil, um sich ein kleines Bewegungs- und Tanzareal zu schaffen.

Gegen 20:30 Uhr beginnt dann der Soundcheck für den Hauptact des Abends. Sphärische Sounds und Klänge ertönen im Hintergrund und stimmen sich dabei perfekt auf das Bühnenbild ab. Ein goldener Planet schwebt über der Bühne, im Zentrum steht eine Flugzeugtreppe. Die goldgelben Sterne vor einem blauen Hintergrund erinnern an die Europaflagge und lassen dabei eine direkte Verbindung zum neuesten Album der Band zu. Und im Laufe des Abends sollen sich noch weitere Highlights im Bühnenbild für die aufmerksamen Zuschauer offenbaren.

Kurz nach 21 Uhr dann plötzlich tobender Applaus, mit dem die die sehnsüchtig erwartenden Künstler erscheinen. Die Österreicher schaffen es mit gewohnt lässigem Auftreten einige stilistische Highlights in ihren Outfits zu integrieren. So tragen die beiden Drummer mit Cowboyhut und gelbem Skaterhelm doch etwas außergewöhnlichen Kopfschmuck. Frontmann Maurice Ernst, der einst zum bestangezogenen Mann Österreichs gekürt wurde, hat sich hingegen ganz stilsicher in ein wallendes buntes Hemd geschmissen. Mit einem lauten „Leipzig!“ wird die Stadt begrüßt und das Konzert eingeleitet. Die Band hat erst vor Kurzem im Eilverfahren zwei Alben veröffentlicht, und man ist gespannt, welche Songs gespielt werden.

Direkt zu Beginn hüllt sich das Bühnenbild in ein dunkles Rot. Passend zur ersten der beiden neuen Platten, Mea Culpa (2018), wird es romantisch, während zu Mein Herz Bricht herzförmiger Konfettiregen auf das Publikum herabfällt. Das Lichtspiel lässt dann direkt das nächste Highlight auf der Bühne in Form von mehreren Lavalampen erkennen, welche ebenfalls rot erleuchten.

Sturz ins Publikum

Von der romantischen Stimmung aufgeladen, lässt sich Maurice direkt in die Zuschauermenge fallen, um anschließend festzustellen, dass Stagediving leichter aussieht als es ist. Der Sänger und Gitarrist überzeugt dennoch nicht nur durch seinen Kleidungsstil und einer gekonnt lässigen Performance. Er animiert das Publikum immer wieder auch durch auffordernde Gesten oder predigerähnliche Halleluja- und Amen-Rufe. Die gewohnt funkigen, elektronischen und rockigen Klänge sowie die Gitarrensolos von Michael Krammer scheinen dabei zusätzlich zu bewirken, dass mindestens ein jedes Publikumsbein zum Takt mitwippt.

Neben weiteren Werken aus Mea Culpa, wie Taxi, Taxi oder Checkpoint (Nie Game Over), werden nun auch Lieder aus den früheren Alben gespielt, wie zum Beispiel Bungalow, Baba oder OM. Bei den älteren Hits zeigt sich das Publikum besonders textsicher. Als Maurice dann seine gelben Autohandschuhe im dichten Nebel anzieht, wissen alle, welcher Song als nächstes kommt: Maschin, die Bilderbuch-Hymne schlechthin. Plötzlich erweckt auch der übergroße Wasserhahn auf der Bühne zum Leben, dessen Wasserstrahl, bestehend aus Lichtschläuchen, in unterschiedlichen Farben erleuchtet.

Aber auch das neueste Album Vernissage My Heart (2019) kommt nicht zu kurz. Besonders eingängig zeigt sich der Song Frisbeee, der die Zuschauer an diesem Abend immer wieder freudig „Frisbee“ rufen lässt. Mit dem gleichnamigen Songtitel wird auch auf den Merchandise-Stand aufmerksam gemacht, an dem es unter anderem passender Weise Frisbeescheiben käuflich zu erwerben gibt. Natürlich erst nach dem Konzert, da man mögliche Verletzungen durch den Wurf der Scheiben während des Auftritts vermeiden möchte. Die Gefahr der daraus entstehenden Schmerzen verleiten den Frontmann zur augenzwinkernden Überleitung zum nächsten Song: Ich hab Gefühle. Währenddessen wirft die beleuchtete Weltkugel auf dem Podium einen neuen Blickwinkel auf das Thema des Bühnenbildes, nämlich Freiheit. Die Verknüpfung zu dem Album selbst wird neben den Songs LED go und Mr Supercool insbesondere durch die Europahymne Europa22 verdeutlicht, womit sich das Konzert langsam dem Ende zuneigt.

Doch kein Konzert ohne Zugabe, die bei Bilderbuch aus gleich fünf weiteren Liedern besteht. Darunter auch wieder ältere Songs der Band (Sneakers4free, Schickschock, Plantsch). Durch den gelungenen Mix aus alten und neuen Liedern kommen sowohl junge als auch alteingesessene Fans auf ihre Kosten. Die Kosten für das Ticket hingegen werden mit einer gut gefüllten zweistündigen Show beglichen, welche die nächsten Tage so manchen Ohrwurm mit sich bringen wird.

Bilderbuch

Konzert

11. April 2019, Haus Auensee

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