Tobias Prüwer | Drucken28.07.2014 

Huckleberry an der Saale

Die Zeichnerin Olivia Vieweg lässt Huck Finn nach Halle umziehen und erzählt das Mark-Twain-Abenteuer in modernisierter Comic-Form

Für Ernest Hemingway markierten die Abenteuer um Tom Saywer und Huckleberry Finn den Beginn der US-Literatur – vor ein paar Jahren erst wurden sie im Thüringer Wald neu verfilmt. Die in Jena geborene Zeichnerin Olivia Vieweg schert sich schon gar nicht um Original und große Tradition und zupft sich Mark Twains Geschichte Die Abenteuer des Huckleberry Finn für ihren Comic zurecht.

Finns Irrfahrt wird so kurzerhand vom Mississippi an die Saale verlegt. Zusammen mit der asiatischen Zwangsprostituierten Jin versucht er, von Halle aus Hamburg anzusteuern, nachdem ihr Versteck auf der Rabeninsel aufgeflogen ist. Jin ist nämlich auf der Flucht vor Menschenhändlern, Huck will dem gewalttätigem alkoholkranken Vater entkommen. In Wettin geraten sie in die 30-jährige Blutrache zwischen den Krügers und den Schäfers. Schließlich lösen sich alle Probleme auf und beide können nach Halle zurückkehren – wo vielleicht neue Abenteuer auf sie warten.

Man merkt: Vieweg hat alle wesentlichen Handlungselemente beibehalten, aber modern umgeformt. Ihr gelingen somit zwei Sachen: Twain-Unkundige erhalten eine schöne Geschichte in noch schöneren Bildern; Huck-Fans können sich über die vielen Anspielungen im Album freuen, etwa wenn der Sexsklavinnen-Ort „Mississippi“ heißt. So entsteht ein in warmen, rötlich-braunen Farben gehaltener, sehr ansehnlicher Bildreigen, der gerade wegen seiner wundersamen Neulokalisierung besticht.

Olivia Vieweg: Huck Finn. Die Graphic Novel

Suhrkamp Verlag

Berlin 2013

142 S. – 19,99 Euro


Kommentar hinzufügen

 
Fügen Sie hier Ihren Kommentar ein:
 
 
 

* Pflichtfeld

 

Tipps

Cinema! Italia!

In diesem Jahr macht die 22. Tournee von Cinema! Italia! vom 5. bis 11. Dezember 2019 wieder Station in den Leipziger Passage-Kinos. Che bello!

Thees Uhlmann & Band

Der ehemalige Frontmann von Tomte ist wieder in die Stadt! Am 5.12. wird in der großen Halle A des Werk 2 aufgespielt. Großes Kino vom charismatischen Nordlicht also, diesmal mit dem neuen Album „Junkis und Scientologen“ im Gepäck.

EXTRAS

Out of Leipzig

Berichte aus der Hauptstadt und dem Rest der Welt

Jugend-Almanach

Die Rubrik für junge Autorinnen und
Autoren

Friedrich-Rochlitz-Preis

Texte zum Schreibwettbewerb Friedrich-Rochlitz-Preis für Kunstkritik

Lyrik & Prosa

Gedichte und Erzählungen im Leipzig-Almanach

Newsletter

Mit dem Newsletter informieren wir Sie einmal im Monat über die neuen Texte im Leipzig-Almanach. Das Abo können Sie jederzeit kündigen. Ihre E-Mail-Adresse geben wir ausschließlich zum Versand an die sichere Software Newsletter2Go weiter.