Grit Kalies | Drucken23.11.2001 

Anerkennung

Laudationes auf und Lesungen mit Wilhelm Genazino und Norbert Hummelt

Erstmalig fand im Deutschen Literaturinstitut Leipzig die Preisverleihung des mit 40.000 DM dotierten Kranichsteiner Literaturpreises statt. In diesem Jahr erhielt ihn Wilhelm Genazino (Jahrgang 43; zahlreiche Romane, unter anderem: Abschaffel, 1977, Die Vernichtung der Sorgen, 1978, Fremde Kämpfe, 1984, Der Fleck, die Jacke, die Zimmer, der Schmerz, 1989, Ein Regenschirm für den Tag, 2001). Der Preis des Deutschen Literaturfonds würdigte insbesondere seinen 1999 bei Rowohlt erschienenen Roman Die Kassiererin.

Die halbstündige Laudatio auf den Preisträger durch Prof. Dr. Jochen Hörisch beleuchtete zitatreich und teilweise sprachspielerisch Genazinos "geschmeidige Prosa". Dessen "melancholische Antihelden" und "abgeklärte Flaneure" vor dem Schaufenster, die sich nicht langweilten, weil sie das Staunen nicht verlernt hätten, dessen leicht daherkommende "Ach-Seufzer", ("Unablässig macht Spr-ach-e etwas, was uns ach machen läßt.") und "wunderbare Komposita", wie die "Verfluselung des Alltags oder Sterbebusenbegleitung", betonte Hörisch, seien Ausdruck einer Kunst, den Schrei so zu kultivieren, daß ihm eine distinkte Mitteilung innewohne.

Zwei kurze kultivierte Schreie hörten die ca. sechzig Anwesenden in der Folge. Zunächst die sympathische und humorvolle Dankesrede Genazinos, die das Thema Anerkennung aufgriff (das neben dem der Langeweile auch in seinen Romanen oft reflektiert wird), dann eine Passage aus dem prämierten Buch Die Kassiererin. Darin lieferte er, auch für etwa anwesende Studenten des Literaturinstituts, ein Schulbeispiel für die prosaische Verknüpfung von Reflexion mit konkret-anschaulicher Erfahrung.

Während Genazino bereits Gastdozent am Literaturinstitut war, wird Norbert Hummelt dort im nächsten Jahr Lyrik unterrichten. Er erhielt das New-York-Stipendium des Deutschen Literaturfonds für seinen 2001 bei Luchterhand erschienenen Lyrikband Zeichen im Schnee. Nach einem Dank in alle Richtungen las er Gedichte aus dem Band, poetisch weich und mit wie zufällig gestreuten, unaufdringlichen Reimen.

23. November 2001, Deutsches Literaturinstitut

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