Fabian Stiepert | Drucken06.03.2014 

Ein sehr dickes Booklet

Hans-Olov Öberg erzählt in „Die Saga vom Esbjörn Svensson Trio“ kreuzbrav die Geschichte der wichtigsten Jazzband der vergangenen zwanzig Jahre nach

Nur wenige Formationen im Bereich des Jazz sind dem Trio des viel zu früh verstorbenen schwedischen Pianisten Esbjörn Svensson ebenbürtig. Wenn es wirklich um das klassische Jazztrio aus Piano, Bass und Schlagzeug gehen soll, könnte man höchstens noch Brad Mehldau und Keith Jarrett ins Spiel bringen, die dieser Form der improvisierten Musik im modernen Jazz auf unnachahmliche Weise ihren Stempel aufgedrückt haben. Aber das Esbjörn Svensson Trio (kurz: EST) war noch einen Tick spezieller, besonderer und ausgeklügelter hinsichtlich der immer weiter entwickelten Musik und den dazugehörigen Live-Auftritten, die nach Jahren in winzigen Jazzkellern auf den großen Bühnen und Festivals dieser Welt stattfanden. Im Mai 2006 erfuhr die Band die ultimative Ehrerbietung, als sie als allererste europäische Band auf dem Cover des seit mittlerweile 80 Jahren publizierten Jazzmagazins „Downbeat“ zu sehen war.

Nur zwei Jahre später, als die Aussichten für die weiteren Jahre des Trios so rosig wie noch nie aussahen, verstarb Esbjörn Svensson völlig unerwartet bei einem Tauchunfall. Wo stünde die Band heute, wenn Svensson noch leben würde? Wären aus Esbjörn Svensson, Magnus Öström und Dan Berglund doch noch „die Pink Floyd des Jazz“ geworden, deren Musik man – wie sie gern scherzten – auch auf dem Mond gespielt hätte? Mit diesen Fragen hat Hans-Olov Öberg nun eine Biographie verfasst, die sich sogar selbst als „Saga“ bezeichnet.

Keine Frage, Öberg liebt die Musik der Schweden. Immerhin kennt er Svensson noch persönlich aus Schulzeiten, wuchsen sie doch beide in der gleichen Kleinstadt auf. Diese grobe Bekanntschaft der beiden wirkt aber nur vorgeschützt, um der etwas flink zusammengeschusterten Biographie ein wenig emotionale Tiefe zu verleihen. Denn bis auf eine Zusammenfassung sämtlicher Tourneen der Band und ihrer gesamten Diskographie hat Öbergs Büchlein nicht gerade viel zu bieten, was den Kauf für echte Fans der Band reizvoll machen würde. Vermutlich verläuft das Tourleben eines noch so hochkarätigen Jazztrios heutzutage einfach zu brav, als dass man bis auf ein paar launig-bierselige Anekdoten großartig etwas Spannendes darüber schreiben könnte. Aber vielleicht sollte man es dann auch einfach lassen und die Tragik des frühen Todes des Bandleaders für sich stehen lassen?

Ein weiteres, nicht unerhebliches Ärgernis sind die sachlichen Fehler, die zum Teil in der Übersetzung sowie in Öbergs Recherche ihren Ursprung haben. EST traten mit ziemlicher Sicherheit nicht im Darmstädter Hauptbahnhof auf, da dieser nicht über die Kapazitäten oder gar über eine Location verfügt, in der dies möglich ist. Gemeint ist mit Sicherheit die Centralstation, die seit vielen Jahren sehr gute Konzerte aus allen Genres ausrichtet. Des Weiteren ist von einem Konzert in einem Kasseler Zirkus die Rede. Gemeint ist hier garantiert das Kasseler Kulturzelt (das darf man wohl sagen, wenn man dieses Konzert in Kassel einst selbst miterleben durfte und bis heute von diesem Erlebnis zehrt), in dem jedes Jahr im Sommer ein musikalisches Programm geboten wird, das so gar nichts mit Zirkusartistik zu tun hat und dem Kulturzelt mittlerweile den inoffiziellen Titel als „Montreux von Hessen“ eingebracht hat. Bei einem Preis von fast 20 Euro für ein nicht einmal gebundenes Büchlein, das anstelle einer richtigen Biographie eher einem überdimensionierten CD-Booklet gleicht, sollten dieses Quäntchen an Recherche sowie das Ausbügeln von haufenweise Grammatik- und Sachfehlern in der Übersetzung zu erwarten sein.

Hans-Olov Öberg: Die Saga vom Esbjörn Svensson Trio

aus dem Schwedischen von Ingo Kober

Edel Germany

Hamburg 2013

212 S. – 19,95 Euro


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