Elisabeth Hauck | Drucken18.04.2017 

Burger, Pommes und ein Fiesling

Ein unkritischer Film über die Erfindung des McDonalds-Systems und dessen Siegeszug? Regisseur John Lee Hancock hat zwar in „The Founder“ einen toll aufspielenden Michael Keaton, aber sonst keine Haltung zu seinem Stoff.

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Michael Keaton spiel als Fiesling Ray Kroc alle an die Wand (Foto: Splendid Film)

Zugegeben John Lee Hancock hat schon mit seinem letzten Film Saving Mr. Banks bewiesen, dass er sich sehr gut mit dem Amerikanischen Traum auskennt. Der mit Tom Hanks als Walt Disney besetzte Film zeigte in typischer Hollywoodmanier die grandiose Spürnase eines skrupellosen Geschäftsmannes, der alles tut um an sein Ziel zu kommen. The Founder ist an dieser Grundthematik noch dichter dran. Doch trotzdem taucht vor Filmbeginn die Frage auf, warum er denn nun unbedingt einen Film über McDonalds machen musste. Schließlich ist der Fastfood-Gigant nicht bei allen gleichermaßen beliebt. Er taugt vielen vielmehr als Negativbeispiel für wahlweise entfesselten Kapitalismus, amerikanischen Imperialismus oder einfach nur schlechtem Essen.

Doch nun erstmal zur Geschichte: Der Vertreter Ray Kroc (Michael Keaton) reist in den frühen 1950er durch Amerika, um Multimixer an den Mann zu bringen – mit mittelmäßigem Erfolg. Doch Ray gehört zu der Sorte Mensch, die nie aufhören groß zu träumen und Gelegenheiten beim Schopfe packen. So auch als eine Bestellung für ganze fünf Mixer bei ihm eingehen. Dieser ungewöhnlichen Order muss er einfach nachgehen und reist nach Kalifornien, wo die Brüder Dick und Mac McDonald ein effizientes Restaurant-System entwickelt haben. Kein langes Warten auf das Essen, nein, es ist binnen Minuten fertig. Ray schafft es, dass die Brüder ihm ihr System erklären: effizienter Küchenaufbau und ein reduziertes Menü aus Burgern, Pommes und Milchshakes.

Ray ist sofort begeistert und wittert geschäftlichen Erfolg. Er schafft es sogar einen Franchise-Deal mit den Brüdern auszuhandeln. Bis zu diesem Punkt ist der Film recht interessant, er liefert Hintergrundwissen und bietet eine typische „From-Rags-to-Riches-Story“. Die McDonalds-Brüder sind sympathische einfache Typen mit Idealen, denen die Kunden am Herzen liegen. Und auch Ray ist zu Beginn noch jemand, mit dem der Zuschauer zumindest ansatzweise mitfühlen kann. In der zweiten Hälfte des Films kehrt sich dies vollkommen um.


Und dann ist sie wieder da, die Frage vom Filmbeginn: Warum ein Film über McDonalds? Ray mutiert zum Mistkerl par excellence. All das Negative für das McDonalds auch stehen kann, bekommt plötzlich ein Gesicht. Was wollte uns der Regisseur damit sagen? Soll der Zuschauer diesen Fiesling Ray bewundern? Dafür, dass er ohne Skrupel Geschäfte macht und so Erfolg hat? Ohne zu sehr politisieren zu wollen: Ray Kroc und Donald Trump sind sich sehr ähnlich. Und wahrscheinlich gibt es in Amerika ebenso wie für Trump ausreichend Menschen, die Rays Verhalten gutheißen. Der Film unternimmt indes nichts um eine positive oder negative Bewertung des Gezeigten zu befeuern. Die Deutungshoheit liegt allein beim Zuschauer.

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Ethel (Laura Dern) ist für Ray nur schmückendes Beiwerk (Foto: Splendid Film)

Michael Keaton spielt Ray mit perfider Eindringlichkeit. Die einen werden ihn bewundern, die anderen sich abgestoßen fühlen. Das muss man erstmal spielen können!, lohnt aber noch längst nicht das Lösen einer Kinokarte. Zumal andere Schauspielgrößen wie Laura Dern geradezu verschwendet werden. Sie darf als Rays Gattin maximal leidend dreinschauen und sich mal einen hübschen Fummel zum Ausgehen anziehen.

Wer kein Problem damit hat fast zwei Stunden einer unsympathischen Hauptfigur zuzusehen wie sie erfolgreich ist, bekommt immerhin Michael Keatons gute Schauspielleistung geboten. Wem das nicht reicht: Lieber das Geld für einen der anderen startenden Filme ausgeben – oder einen guten Burger essen gehen.


The Founder

USA 2016, 115 Minuten

Regie: John Lee Hancock; Darsteller: Michael Keaton, Laura Dern, John Carroll Lynch, Nick Offerman

Kinostart: 20. April 2017

Voraussichtlich im Passage Kino


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