Svenja Kollenda | Drucken08.04.2019 

So kurz die Nacht

Vom 3. bis 7. April fand zum 16. Mal das mitteldeutsche Kurzfilmfestival „Kurzsuechtig“ in ausgewählten Kultur- und Veranstaltungsstätten Leipzigs statt. Am 2. Festivaltag suchte das Publikum der Schaubühne Lindenfels den besten Dokumentarfilm – und brauchte dafür viel Sitzfleisch

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„So hell die Nacht“ von Julius Schmitt wurde vom Schaubühnen-Publikum zum besten Dokumentarfilm gekürt. (Fotos: Kurzsuechtig 2019)

Sieben Kurzfilme nahmen die ZuschauerInnen mit auf eine Reise von Syrien über Sardinien und Norwegen, zurück in die DDR bis in die produktiven Nächte der deutschen Arbeiterklasse. Das Themengebiet hätte abwechslungsreicher kaum sein können.

Waren die obersten Ränge im Saal prall gefüllt, so wurden die ersten Reihen vom Publikum gekonnt ignoriert – die Angst vor der interaktiven Mitgestaltung des Programms scheint nicht nur ein Problem in den Vorlesungssälen der Universitäten zu sein. Auch ließen sich die ZuschauerInnen nur langsam an den Rhythmus des Händeklatschens gewöhnen. Gelacht wurde dafür umso ausgelassener. Auslöser war hier besonders der Kurzfilm 2Stoned – A trip to the Sky, der die beiden jungen, ambitionierten Filmemacher Johannes Kürschner und Franz Müller auf ihrer Moped-Reise nach Sardinien, um die Felsnadel Aguglia Goloritzé zu besteigen, begleitet. Trotz Verständnisproblemen und fehlenden Untertiteln konnte der sächsische Charme der beiden Darsteller das Publikum von sich überzeugen.

Auch dem Film Sorge 87 von Than Nguyen Phuong gelang es, den regionalen Dialekt gekonnt in Szene zu setzen. Als Gewinner des abschließenden Jurypreises überzeugte der Kurzfilm mit animierten Stoffdruckbildern. Die Protagonisten, unter anderem Nguyen Phuongs Eltern, sind dabei lediglich durch Stimmen aus dem Off zu hören. Dennoch schaffte es Sorge 87, einen gelungenen Blick auf die Textilindustrie im Jahr 1987 in Werdau zu werfen, die viele vietnamesische Vertragsarbeiter in die ehemalige DDR brachte.

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„Martin Kohlstedt – STROM Chapter 1“ von Patrick Richter zeigte ungewöhnliche Detailaufnahmen aus den Konzerten des Weimarer Pianisten Martin Kohlstedt.

Das Publikum entschied sich am Ende für den Kurzfilm von Julius Schmitt, der die ZuschauerInnen mitnimmt in das Nachtleben von Lagerstätten, Museen und Gießereien. So hell die Nacht begleitet verschiedene Persönlichkeiten in Deutschland, die dann arbeiten, wenn der Rest der Bevölkerung schläft, und zeigt die Zufriedenheit, mit der sich die Nachtarbeiter ihrer Beschäftigung annehmen.

Der letzte Kurzfilm des Abends führte die ZuschauerInnen dann auf eine musikalische Reise in das Leben des bekannten Musikers, Komponisten und Pianisten aus Weimar: Martin Kohlstedt – STROM Chapter 1. Visuell überzeugt der Kurzfilm von Patrick Richter durch Detailaufnahmen aus den Konzerten Kohlstedts. Neben den Einblicken in das Entstehen seiner Werke – Kohlstedt sitzt am Klavier und ist auf der Suche nach der einen Melodie – sieht man Kohlstedt als Kind und Jugendlichen aufwachsen und begleitet ihn damit auf seiner eigenen, musikalischen Reise.

Mit der anschließenden Publikumsabstimmung und Preisverleihung ging ein langer Abend zu Ende. Die daraus resultierende kurze Nacht nahm man allerdings angesichts der vielen Eindrücke und Emotionen gerne in Kauf. Zudem zeigte sich, dass die Angst vor den ersten Reihen völlig unbegründet war, da eine befürchtete Interaktion mit dem Publikum ausblieb.

16. Kurzsuechtig-Festival Leipzig – Wettbewerb Dok

4. April 2019, Schaubühne Lindenfels

Weitere Infos auf der Kurzsuechtig-Website

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