Elisabeth Hauck | Drucken04.11.2019 

Auf dem Weg zu perfekten Gefährten?

DOK Leipzig Nachlese: In „Robolove” zeigt Maria Arlamovsky, was mit Robotern heutzutage schon alles möglich ist und was nicht

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Weiblich und weiß: Dieser Roboter aus dem Film „Robolove“ entspricht wohl vielen Männerfantasien (Foto: DOK Leipzig 2019).

Wäre es nicht schön, immer einen Begleiter zu haben? Einen, der einem stets zu Diensten ist, uns versteht, mit uns redet, unsere Einsamkeit durchbricht und natürlich im gleichen Moment auch dasselbe will wie wir? Konflikte könnten so umgangen werden, Kompromisse sowieso. Quasi der perfekte Gefährte. Das ist der zentrale Aspekt, der die gezeigten Menschen in Robolove antreibt, sich mit der Entwicklung von menschenähnlichen Maschinen zu beschäftigen.

Auch wenn alle Entwickler auf der Suche nach einem Rezept für die perfekte Roboterliebe sind, zeigt Maria Arlamovskys ORF-Produktion, wie unterschiedlich die Herangehensweisen an das Thema sind. Für ihre multiperspektivische Sicht hat sie Protagonisten auf der ganzen Welt aufgesucht: Japan, Spanien, Deutschland, die USA und nicht zuletzt China und Korea. So zeigt Robolove nicht nur die verschiedenen Aspekte auf, sondern auch, wie die Ideen technisch umgesetzt werden.

In Japan treffen wir auf Ishiguro Hiroshi. Der Robotikprofessor ist geradezu ein Popstar auf seinem Gebiet. Roboter sind für ihn die besseren Menschen, sie altern nicht und lassen sich lenken wie gewünscht. Aus seiner Sicht ist es für viele Menschen einfacher, mit Robotern zu interagieren als mit ihresgleichen. In Japan ist dieses Phänomen schon weit verbreitet und bezieht sich nicht nur auf künstliche Menschen. Schon heute verbringen viele Japaner einen Großteil ihrer Zeit in virtuellen Welten und fühlen sich dort scheinbar wohler.

Um das Zusammensein mit Robotern so angenehm wie möglich zu gestalten, steckt Hiroshis Team viel Arbeit in eine getreue Umsetzung von Gestik und Mimik. Schön und echt sollen sie aussehen. Doch eine echte Interaktion ist noch nicht möglich. Am Ende muss jemand den Roboter steuern. Dies wird besonders anschaulich, wenn ein junger Mann in einer Kabine die Worte einer Roboterfrau einspricht, um mit zwei Kindern zu kommunizieren. Er kennt scheinbar nicht alle Funktionsweisen, sodass die Interaktion einfach zu einem lustigen Spiel gerät.

In den USA wird hingegen schon mit künstlicher Intelligenz gearbeitet. Die Roboterdame Pepper kann sich zwar nicht so filigran bewegen wie ihre Schwestern aus Japan, dafür kann man mit ihr via App reden. Es dürfen nur nicht mehrere Leute gleichzeitig sprechen, das verwirrt das System. Pepper sieht zudem aus wie eine Sexpuppe — große Brüste, runder Po, blond und volle Lippen. Auch wenn ihr Erfinder felsenfest behauptet, dass seine Konstruktion nichts mit Pornos zu tun hat — wenn er vor einer Serienproduktion von nackten Puppen sitzt, glaubt man ihm kein Wort.

Hier setzt auch die einzige offensichtliche Kritik von Maria Arlamovsky ein: Die Roboter sind meistens weiblich, weiß und sexy. Sie wirken, als wären sie für einen Zweck erbaut worden — Männern zu gefallen. Ansonsten bleibt Robolove an den meisten Stellen kommentarlos.

Auch die philosophische Ebene des Themas wird eher oberflächlich gestreift. Wenn Ishiguro Hiroshi von Transhumanismus redet und meint, dass Roboter uns etwas über das Menschsein lehren, möchte man genau hier tiefer gehen. Doch Arlamovsky schiebt nur schnell einen ziemlich losgelöst wirkenden Exkurs mit einem buddhistischen Mönch ein, der die Meinung vertritt, dass wir ja schon Gott nach unserem Ebenbild imaginiert haben und es mit Robotern nicht anders täten. Aha. Ja, und weiter? Leider nichts.

Robolove ist am Ende ein schöner Streifzug zum Thema künstlicher Mensch, aber auch nicht mehr. Die formal ziemlich fernsehtauglich wirkende Umsetzung macht die Sichtweisen zugänglich, eröffnet aber keine tiefer liegenden Erkenntnisse. Schade.

Robolove

Österreich 2019, 79 Minuten

Regie: Maria Arlamovsky

DOK Leipzig 2019, Internationaler Wettbewerb langer Dokumentations- und Animationsfilm


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