Nora Tüngler | Drucken12.07.2019 

Antiheld aus dem Kinderzimmer

David Yarovekys „Brightburn –Son of Darkness“ lehrt einen nicht unbedingt das Gruseln, zeigt aber auf sehr blutige Weise, dass Wunschdenken alleine nicht ausreicht, um gute Eltern für einen pubertierenden Sohn zu sein und diesen von der Dunkelheit fernzuhalten

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Als ob die Pubertät nicht schon anstrengend genug wäre: Brendan Breyer (Jackson A. Dunn) hat unheimliche Fähigkeiten. (Foto: Sony Pictures Releasing Switzerland GmbH)

David Yaroveyks hat seine Erfahrung als Regisseur hauptsächlich in Musikvideos gesammelt und schafft es nun, eine unbequeme Idee auf spannende Weise auf die Leinwand zu bringen: Was ist, wenn es einen Haken gibt an all unseren heißgeliebten Superhelden? Was ist, wenn sich die Idee von übermenschlichen Fähigkeiten in puren Horror wandelt?

Brendan Breyer (Jackson A. Dunn, Avengers: Endgame) ist talentiert, smart, introvertiert, experimentierfreudig und wird von seinen Adoptiveltern hingebungsvoll geliebt. Diese beiden, Tori (Elizabeth Banks, Tribute von Panem, Spider-Man) und ihr Mann Kyle (David Denman, Helden aus der zweiten Reihe), hatten sich nach langem, eigenem und unerfülltem Kinderwunsch dafür entschieden, den verwaisten Jungen bereits als Baby in ihre Familie aufzunehmen, um diese zu vervollständigen.

Wir bekommen ein intimes Bild von einer perfekten Familie in einer ländlichen Kulisse. Die Atmosphäre auf dem Hof, auf dem die Familie lebt, ist seltsam still. Der Film ist voller spannungsgeladener, stiller Momente, die symbolisch für unausgesprochene Sorgen und Ängste zu stehen scheinen. Es wirkt fast so, als wäre seit der Adoption von Brendan die Zeit auf dem Hof stehen geblieben.

Unter der Fassade der amerikanischen Kleinstadtfamilie verdecken zahlreiche Lügen eine andere Geschichte, der wir im Laufe des Films immer näher kommen. An der Oberfläche bröckelt es. Die Eltern wirken mehr wie Schauspieler als wie Eltern. Zunächst wirkt es wie eine schäbige Performance, doch dann wird diese Performance auf den Prüfstand gestellt.

Die Pubertät kann für Eltern und Kind erschreckend sein. Fragen nach der Identität, der Zugehörigkeit und die Veränderungen des Körpers sind schon anstrengend genug. Brendan Breyer bekommt mit der Pubertät einige erschreckende Bonusse, die ihn stark von seinen Mitschülern unterscheiden. Die Eltern reagieren mit Wegschauen, Ignorieren und lassen sich nur zu gerne ablenken. Eine tolle Strategie, die nun von Brendan verlangt, mit der Realität alleine klar zu kommen. Da kann ja nichts schief gehen.

Im Verlauf der Geschichte kommt es immer wieder zu Situationen, in denen die Ignoranz der Eltern, gepaart mit einer seltsamen Ikonofizierung des Jungen, für eine Verschlimmerung sorgt. Die Spirale bringt uns abwärts. Leider kommt es nicht zur gewünschten Klarheit, im Gegenteil, die Dunkelheit nimmt überhand. Das kommt einem bekannt vor, es sind schädliche Illusionen, mit denen Eltern ihre Kinder über alle anderen stellen möchten.

Der Gruselfaktor des Films hält sich in Grenzen. Das Kostüm des Sohns der Dunkelheit ist einzigartig, es kommt eindeutig aus einer anderen Welt. Die Kameraführung hat etwas Besonderes an sich. Meist ist sie hautnah an den Schauspielern dran, und bei besonders blutigen Szenen hält sie schonungslos auf die grausamen Bilder drauf. Wir als Publikum bekommen keine Chance wegzusehen. In besonders heiklen Situationen fängt alles an zu zittern und zu beben. Bis zum Schluss bleibt man gespannt auf das, was als Nächstes kommt.

Brightburn – Son of Darkness

USA 2019, 90 Minuten

Regie: David Yarovesky; Darsteller: Jackson A. Dunn, Elizabeth Banks, David Denman

Kinostart: 20. Juni 2019

„Brightburn –Son of Darkness“ läuft aktuell als Spätvorstellung im Cineplex, im Cinestar und im UCI Nova Eventis.


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